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03.06.2014 | 19:30 Uhr | Fürstenberghaus F3
Die Verwilderung des Patriarchats
in der Globalisierungsära

Vortrag und Diskussion mit Roswitha Scholz

 

18.06.2014 | 19:30 Uhr | Hörsaal S9
Unter Wiederholungszwang
Bürgerliches Subjekt, Geschlecht
und die Schwierigkeiten feministischer Kritik

Vortrag und Diskussion mit Karina Korecky

 

25.06.2014 | 19:30 Uhr | Hörsaal S9
Differenz und Nachträglichkeit
Zur Psychoanalyse des Geschlechterverhältnisses
Vortrag und Diskussion mit Christine Kirchhoff

 

 

 

 


Die Verwilderung des Patriarchats
in der Globalisierungsära

Vortrag und Diskussion mit Roswitha Scholz

 
In der Moderne bildeten sich neue Geschlechtervorstellungen aus. Dem “Mann” wurden Eigenschaften wie Rationalität, Charakterstärke, Durchsetzungsvermögen u.ä. zugeschrieben; die “Frau” wurde hingegen mit Emotionalität, Sinnlichkeit, Charakterschwäche usw. in Verbindung gebracht: Männer sollten für die Öffentlichkeit und das Erwerbsleben geschaffen sein, Frauen von “Natur” aus für Tätigkeiten in der Privatsphäre (“Liebe, Hege, Pflege, Kindererziehung”). In den 1950er Jahren breiteten sich derartige Vorstellungen, die zunächst auf das Bürgertum beschränkt waren, auf alle Klassen und Schichten aus. Der Herausbildung der “abstrakten Arbeit” im Kapitalismus entsprach die gleichzeitige Entstehung privater Reproduktionsarbeiten verbunden mit hierarchischen Geschlechterverhältnissen.
 

In der Postmoderne kommt es zu einer Aufweichung des traditionellen Geschlechterarrangements: Frauen sind nun mit Männern bildungsmäßig gleichgezogen und “doppelt vergesellschaftet” (Regina Becker-Schmidt). Umgekehrt droht nun auch Männern eine “Hausfrauisierung” (Claudia von Werlhof) im Zuge des Prekärwerdens der Beschäftigungsverhältnisse. Die Institutionen Familie und Erwerbsarbeit erodieren, ohne dass neue tragfähige Sozial- und Reproduktionsformen an ihre Stelle treten. Dem grundsätzlichen Verfall der Ökonomie entspricht eine Verwilderung des Patriarchats in der Globalisierungsära, so die These des Vortrages. In der Kollapssituation heute droht Frauen vor allem die Funktion von Krisenverwalterinnen zugewiesen zu werden. Sie kommen dann vermehrt an die Macht, wenn der Kapitalismus an die Wand fährt, bei gleichzeitiger Zuständigkeit für den Reproduktionsbereich.

 

Roswitha Scholz ist freie Publizistin und Redakteurin der Theoriezeitschrift “Exit!”. Diverse Zeitschriftenpublikationen und Buchveröffentlichungen. Unter anderem: Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Kapitals (2011), Differenzen der Krise – Krise der Differenzen. Neue Gesellschaftskritik (2005).
 

Dienstag, 03.06.2014, 19:30 Uhr
Fürstenberghaus F3 // Domplatz 20-22 // 48143 Münster

 

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Unter Wiederholungszwang

Bürgerliches Subjekt, Geschlecht
und die Schwierigkeiten feministischer Kritik

Vortrag und Diskussion mit Karina Korecky

 
Wer über das Geschlechterverhältnis nachdenkt, muss sich üblicherweise zunächst rechtfertigen: Dabei muss der offensiven Verleugnung des Leidens am Geschlechterverhältnis – »Wer sich diskriminiert fühlt, ist selber schuld« – entgegengetreten werden; muss gezeigt und erinnert werden, dass keineswegs die Emanzipation bereits eingetreten ist. Auf der Ebene von Zahlen und Fakten, mit dem jüngsten Bericht über die Einkommensdifferenzen zwischen Männern und Frauen in der Hand, ist das relativ leicht und die Argumente einsichtig. Wenn es aber nicht um statistische Empirie, sondern um persönlicher Erfahrung geht, bekommt der Feminismus paradoxerweise Schwierigkeiten: Beinahe jede Frau fühlt sich freier als die eigene Mutter und erst recht die eigene Großmutter und die leisen Zweifel daran, es vielleicht doch nicht so grundsätzlich anders zu haben, werden im Dienste der Aufrechterhaltung des eigenen Selbstbewusstseins leicht ignoriert.

Früher sei es den Frauen schlecht gegangen, heute stünde ihnen die Welt offen – schon Olympe de Gouges konnte 1789 im Nachwort ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin den Fortschritt für sich in Anspruch nehmen. Aber weder die Durchsetzung von Vernunft gegen Aberglauben, natürlichen Rechten gegen gottgegebene und auch nicht das gesetzlich festgeschriebene Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts haben das Geschlechterverhältnis ins Wanken gebracht, ganz im Gegenteil. Erst mit der bürgerlichen Gesellschaft ist es in die Welt gekommen und scheint sich gemeinsam mit der subjektiven Erfahrung zunehmender Freiheit durch die Dialektik der Aufklärung hindurch hartnäckig zu reproduzieren.
 

Weil sich alles geändert hat und doch nichts, sieht sich die feministische Kritik stets aufs Neue gezwungen, ihren Blick auf die Anfänge der Gesellschaft der Freien und Gleichen zu richten. Der Vortrag folgt dieser Bewegung und wirft darin die Frage nach den Gründen für den Wiederholungszwang auf.

 

Karina Korecky studierte Soziologie und Politikwissenschaft in Wien und Hamburg und promoviert an der Universität Hamburg zum Verhältnis von Staat und Natur. Sie publiziert außerdem zu feministischer Kritik und veröffentlicht 2014 “Rousseau, die Liebe und der Staat” im Schweizer Verlag Die Brotsuppe.
 

Mittwoch, 18.06.2014, 19:30 Uhr
Hörsaal S9 // Schlossplatz 2 // 48149 Münster

 

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Differenz und Nachträglichkeit

Zur Psychoanalyse des Geschlechterverhältnisses
Vortrag und Diskussion mit Christine Kirchhoff

 
Die Freudsche Theorie des Geschlechterverhältnisses, basierend auf Ödipuskomplex, Kastration und Penisneid galt schon Generationen von Feministinnen als Stein des Anstoßes und wurde in Folge kritisiert, verworfen oder durch scheinbar bessere Modelle ersetzt. Liest man das infantile Drama um die Entdeckung der Geschlechterdifferenz am eigenen Körper allerdings als Urszene der Konstitution der psychischen Repräsentation von Differenz, als Bedingung der Möglichkeit, nicht nur von Unterschieden zu reden, sondern diese auch aushalten zu können, dann wird es komplizierter: Nicht nur zeigt sich dann, dass sich immer erst nachträglich sagen lassen wird, was aus der hier beginnenden Verwicklung von Natur und Kultur im Subjekt geworden sein wird; es zeigt sich auch, wie gesellschaftliche Verhältnisse in Theorie und Rezeption wiederzufinden sind. Nicht zuletzt zeigt sich die Aktualität einer Theorie, die es erlaubt, die wechselseitige Bezogenheit von Natur und Kultur im Subjekt zu denken, ohne das eine im anderen aufgehen zu lassen.

 

Christine Kirchhoff ist Juniorprofessorin im Studiengang Psychoanalytische Kulturwissenschaften an der International Psychoanalytic University Berlin. Zuletzt erschienen (Hg. zus. mit Falko Schmieder): Freud und Adorno. Zur Urgeschichte der Moderne (2014). Außerdem Autorin von: Das psychoanalytische Konzept der ‘Nachträglichkeit’. Zeit, Bedeutung und die Anfänge des Psychischen (2009).
 

Mittwoch, 25.06.2014, 19:30 Uhr
Hörsaal S9 // Schlossplatz 2 // 48149 Münster

 

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Diese Vortragsreihe findet statt in Kooperation mit:

 

 

 

 

 

 

 

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