Neunundneunzig Prozent falsche Analysen.   Eine Zwischenbilanz zur Occupy-Bewegung

Vortrag und Diskussion mit Peter Bierl

12.11.2013 | 20 Uhr | Club Courage | Münster

Die Occupy-Bewegung sowie die Indignados in Spanien weckten 2011 große Hoffnungen auf eine neue Welle des Protests und Widerstands. Sie betonten den Anspruch auf eine direkte Demokratie und all jene Dinge, die Menschen zum Leben brauchen, statt den Kapitalismus regulieren zu wollen. Sie griffen in Alltagskämpfe um Wohnraum, Bildung und medizinische Versorgung, für die Rechte von Geflüchteten und Gewerkschaftern ein. Allerdings pflegt Occupy wie viele Linke und Globalisierungskritiker*innen einen regressiven Antikapitalismus. Zentral ist die falsche Vorstellung eines Gegensatzes zwischen Finanzkapital und „Realwirtschaft“, dass gierige Bankerinnen und skrupellose Börsianer für die Übel der Welt verantwortlich wären. Diese Sicht wird auch von den bürgerlichen Medien gepflegt und solche Vorstellungen sind nach rechts anschlussfähig.

Praktisch drückt sich das Unverständnis der Occupy-Bewegung darin aus, dass wichtige Camps an der Wallstreet oder im Frankfurter Bankenviertel stattfanden. Eine Arbeitsgruppe von Occupy Wallstreet sinnierte über eine neue „demokratische Bank“ mit zinsfreiem Geld. Dazu passend entwickelte der Anthropologe David Graeber konfuse Vorstellungen über Schulden und Schuldenerlass. Seine Vision ist eine staatsfreie Marktwirtschaft mit zinsfreiem Geld. Solche Verklärungen schätzt das bürgerliche Feuilleton und feierte Graeber als Mastermind der Bewegung.
 

In seinem Vortrag kritisiert Peter Bierl die ideologischen Grundlagen der Occupy-Bewegung, ihre Aktionen und Strukturen sowie die Diagnosen und Perspektiven ihrer Vertreter*innen und Bezugspersonen.
 

 

Peter Bierl lebt als freier Journalist in der Nähe von München. Er schreibt u.a. für Jungle World, Konkret, Rechter Rand und iz3w. Er ist Autor von „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (2005) sowie „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn – Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (2012).

 

 

 

 

 

Diese Veranstaltung findet statt mit freundlicher Unterstützung durch:

 

 

 

 

 

 

 

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