LET PEACE COME!

Neben zahlreichen anderen Gruppen und Zusammenschlüssen mobilisieren auch wir mit einem eigenen Aufruf gegen den Aufmarsch der (rechten) „Antiimp-Freaks“ am Antikriegstag.

 

Die Antifaschistische Linke Münster organisiert eine Infoveranstaltung zu den Gegenaktivitäten mit anschließender Party:
-> Freitag, 21. August 2009 | 19.00 Uhr | Baracke

Weitere Infos zu Vorabenddemo, Gegenaktivitäten und Veranstaltungen finden sich auf der Sonderseite der AUDO oder der Webpage des S5-Bündnisses!

 

LET PEACE COME!

Aufruf gegen den Naziaufmarsch am Antikriegstag in Dortmund

do09Der autonome Neonazismus, wie er sich am 5.9. in Dortmund unter dem Motto „Gegen imperialistische Kriegstreiberei und Aggressionskriege“ anlässlich des Antikriegstages auf der Straße präsentieren wird, steht für eine militante und reaktionäre Form der Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und ihren Erscheinungen. Zentrale ideologische Elemente ihres Aufrufstextes sind völkischer Nationalismus und Antiliberalismus, reaktionärer Antikapitalismus und Antiimperialismus sowie Antiamerikanismus und Antizionismus. Der „sozialrevolutionäre“ Gestus ist allerdings nicht neu, sondern steht in der Tradition zahlreicher revisionistischer, faschistischer und nationalsozialistischer Strömungen Deutschlands, Italiens oder Frankreichs als Verfechter des „Dritten Weges“, deren direkte Ideologiegeschichte sich bis zur vorletzten Jahrhundertwende zurückverfolgen lässt.

 

Dass ideologische Elemente des neonazistischen Antikriegstages Schnittmengen zur Politik linker sozialer Bewegungen der Welt aufweisen, wird vom Spektrum der vorbereitenden Gruppen der Gegenproteste von Linkspartei bis zur Antifa allerdings weitgehend ausgeblendet, wodurch sich von vornherein die Möglichkeit einer ernsthaften Kritik an dem ideologischen Gerüst der Nazis verbaut wird.

 

Dies geschieht nicht aus Zufall: das Phänomen des sozialrevolutionären Antiimperialismus von Rechts zu fassen und das Verhältnis von „rechtem“ und „linkem“ Ideologiegebäude reflektiert zu betrachten ist linken Antifaschisten bisher kaum gelungen, würde damit doch der miserable Zustand der gegenwärtigen antikapitalistischen Bewegungsrhetorik offenbar. Im Gegenteil: Je „linker“ die Naziparolen klingen, desto verbissener mobilisieren auch Traditionslinke nach langer Ignoranz der Dortmunder Naziszene wieder nach Dortmund, um die Hoheit über ihr vermeintliches geistiges Eigentum zu verteidigen. Dabei findet jedoch keine Auseinandersetzung darüber statt, warum sich auch ein Antikriegstag so hervorragend als Anlass für die zentrale bundesweite Nazidemonstration dieses Spätsommers eignet. Lediglich der Vorwurf dass Nazis sich hinter linken Positionen verstecken würden oder dass eine Friedensdemonstration von Nazis angesichts des Jahrestages des Überfalls auf Polen besonders dreist wäre, wird gebetsmühlenartig wiederholt.

Gleichzeitig wird weit ausgeholt, um das globale Hauen und Stechen geschichtsdeterministisch als Interessenkonflikt der mal friedfertigen, mal kriegswütigen etablierten Player abzuleiten, anstatt zum Protest gegen Nazis – und konsequenterweise auch den weltweit betrachtet quantitativ weitaus relevanteren islamistischen Bewegungen – als den schärfsten Feinden liberaler Freiheit und kommunistischer Emanzipation aufzurufen. Kein Wunder, denn die Linke hat den Sinn für Internationalismus verloren. Sie kannte Bosnien, Ruanda und Tschetschenien nie und kennt nicht Sri Lanka, Darfur und Kongo.

Stattdessen stehen Auseinandersetzungen unter Beteiligung der USA oder Israels automatisch im Fokus der allgemeinen und linken Aufmerksamkeit, auch wenn Body Count und andere Abscheulichkeiten in den Kriegen zur Durchsetzung kapitalistischer Vergesellschaftung eher „dezenter“ ausfallen als in anderen zeitgleich ausgetragenen religiösen oder nationalistischen Konflikten, deren Ziel oft Vertreibung oder Vernichtung feindlicher Bevölkerungsgruppen ist. Auch die Parole „der Hauptfeind ist das eigene Land“, welche Deutschland und seine „Interessen“ zum Dreh- und Angelpunkt für den Zustand der Welt machen will greift analytisch und kritisch zu kurz. Sie benennt nicht das Besondere der postnazistischen deutschen Gesellschaft und schließt vor der Reaktion in der Peripherie die Augen. Gemessen am Grad kriegerischer Grausamkeit erscheinen die „Polizeispiele“ der Bundeswehr in Afghanistan im Vergleich zum Vorgehen des nigerianischen oder äthiopischen Militärs gegen islamische Milizen und dessen „Kollateralschäden“ lächerlich.

 

Anders als der Contra-Support der USA im Chile, Nicaragua oder El Salvador der 70er und 80er oder gar Vietnam stünden militärische Interventionen dieser Tage – so politisch, taktisch und moralisch zweifelhaft ihre Durchführung auch sein mag – einer „positiven“ gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr prinzipiell entgegen. Zahlreiche Konfliktherde, Orte systematischer gruppenbezogener Gewalt, rassistischer Bürgerkriege oder nationalistischer Pogrome lassen sich nicht allein aus dem krisen- und konflikthaften Charakter des globalen Kapitalismus oder einseitiger geostrategischer oder ökonomischer Einflussname westlicher Interessen erklären, sondern sind im Kontext von nationalistischen und religiösen Ideologien zu bewerten. Eine pazifistische Antikriegsposition, auf die sich heutzutage gerne zurückgezogen wird, ist historisch betrachtet zudem nie Teil des Programms linker, sozialistischer oder kommunistischer Bewegungen oder Parteien gewesen. Antikriegsagitation war im besten Fall eine Kritik der „weißen“ Gewalt, im schlechtesten Fall bloße Paktiererei mit jeweiligen Blockpartnern.

 

 

Antiimperialistische Denkblockaden einreißen

Der Antiimperialismus als Gegenbewegung gegen den Westen, gegen US-Imperialismus oder Zionismus, in deren Reihenfolge auch der Internationalismus der deutschen Nazis steht, ist eine Sammelideologie der nichtstaatlichen und staatlichen emanzipationsfeindlichen Bewegungen, deren Kritik und Niedergang eine Chance für Befreiung von Nationalismus und Islamismus ermöglichen würde. Der Kampf um die offene Gesellschaft und die Möglichkeit einer Perspektive der Befreiung ist ein ständiger Abwehrkampf gegen Nazis und Islamisten. Gradmesser der Schärfe und Stärke der prinzipiell breiten Anti-Nazi-Bündnisse kann aber nicht der militante Gestus oder gar die Breite der Bündnisse sein, sondern ihr kritischer Gehalt. Wenn es nach uns ginge, sollte die Kritik des nationalistischen, völkischen Antizionismus und Antiamerikanismus, des antiimperialistischen Kampfes gegen Fremdherrschaft der rechten und islamistischen, aber auch leider linken Bewegungen, zu einer Basis antifaschistischer Kritik und Praxis werden.

 

Let peace come!
Nationalismus und Islamismus bekämpfen!
Die Nazidemo am 5.9. in Dortmund verhindern!

 

salon des communistes düsseldorf am 20.08.09
Unterstützt von: ELA, et2c (muenster), Freund_Innen der befreiten Gesellschaft, antifa[AK]moers, Gruppe IKIS, Shut Down Köln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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